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Dienstag, 16. August 2016

Gardelegen - Dritter Teil

geschrieben am 15. August 2016
geschehen   am   5. August 2016

Der Nachmittag war fortgeschritten und da ich noch nach Stendal und Tangermünde wollte ging ich langsam zum Wagen zurück. In Tangermünde hatte Frau Christians-Albrecht, die Pastorin der Kirchengemeinde Bröckel, für mich eine Übernachtung im Pfarrhaus von Sankt Stephan verabredet. Dort wollte ich spätestens um 19:30Uhr eingetroffen sein.


Peacezeichen vor dem Rathaus


















Als ich das gerade an den Baum gebundene Peacezeichen fotografierte sprach mich eine Frau an.

"Sie haben das gerade angebunden, nicht wahr? Fotografieren sie das oder den Gedenktstein, ja fotografieren Sie den auch. Das ist wichtig!" 
Sie zeigte auf den schlichten weißen Stein mit dem leuchtend roten Dreieck. 
"Das war so schrecklich, so entsetzlich. Aber ich war noch ein Kind. Was hätte ich tun können. Ich war doch noch ein Kind! Sie haben geschossen. Immer wieder. Die haben so laut geschrien. Ich habe mir die Ohren zugehalten. Nein, nein. So etwas darf nie wieder geschehen. Nein, nie wieder."

Ich war sehr betroffen von ihren eindringlich vorgebrachten Worten, mochte weder fragen, noch sie irgendwie anders unterbrechen.

"Machen Sie das mit dem Frieden. Krieg ist grausam. Die Männer dürfen da nicht hingehen. Die dürfen auf keinen Fall mit machen! Wissen Sie ich war noch ein Kind, damals. Ein Kind. Sie haben geschrien."



Gedenkstein am Rathaus, 13.4.1945






















Dann ging sie fort, sichtlich aufgewühlt, die Straße hoch am Rathaus vorbei. Es war ihr wohl sehr wichtig mir dies zu sagen. Ich blieb noch einen Augenblick stehen, sah ihr nach und wusste mit diesen Hinweisen noch nicht umzugehen. Stumm war es in mir. Aufgewühlt war ich und noch unformulierbare Fragen flatterten in mir. Ich atmete tief durch und ging sehr nachdenklich zum Parkplatz zurück. Ein weiteres Friedensband zu hinterlassen daran dachte ich nicht mehr.


Als ich im Auto saß beschloss ich nach diesem Datum zu recherchieren. Und das habe ich dann auch getan. Das, was ich erfuhr entsetzte mich. 


Gardelegen im April 1945

In der ersten April Woche 1945 wurden tausende von  Inhaftierten aus Nebenlagern der Konzentrationslager Mittelbau-Dora und Neuengamme zu den Bahnhöfen in Mieste, Zienau, Letzlingen und Bergfriede gebracht. Die zerstörten Bahnanlagen machten eine Weiterfahrt nach Bergen-Belsen und Sachsenhausen unmöglich. 

Wärend die in den Wagons von SS-Männern, Jugendlichen der Hitlerjugend bewachten Menschen nicht wussten was mit ihnen geschehen würde, bereitete Gerhardt Thiele, später als Gerhardt Lindemann untergetaucht, damaliger Obersturmbannführer des Kreises Gardelegen die Vernichtung dieser Menschen und unliebsamen Zeugen seiner Taten vor. 

Viele von ihnen waren stark geschwächt und krank, sie starben in den Wagons. Andere wurden bei dem Versuch zu flüchten erschossen. Auf dem Marsch am 13. April 1945 zur Scheune auf dem Isenschnibber Gut, brachen einige tot zusammen oder wurden von SS-Männern kurzer Hand erschossen. Diejenigen, die den Weg zu Fuß überwunden hatten oder mit Fuhrwerken dorthin transportiert worden waren, wurden in die massive Scheune mit hartem Ziegeldach gesperrt. Das in der Scheune lagernde oder eingebrachte Stroh war vorher wohl mit Benzin getränkt worden. Nachdem alle Gefangenen in die Scheune getieben waren wurden fast alle Tore geschlossen und das Stroh entzündet. Insgesamt 111 Männer, der Luftwaffe, Fallschirmjäger, Männer der SS, des Volkssturms, der Arbeiterfront und der Hitlerjugend schossen auf die Flüchtenden und warfen Handgranaten in der Scheune. 

Am nächsten Morgen sollten Angehörige der Feuerwehr, Männer des Volkssturm und der Technischen Nothilfe die Spuren des Massakers beseitigen und die Leichen verscharren. 
Die heranrückenden amerikanischen Soldaten konnten nur wenige Überlebenden aus den Leichenbergen retten.

Gerhardt Thiele konnte mit gefälschten Papieren entkommen. Er starb 1994 in Düsseldorf.


Foto Daniel Rohde-Kage





















Quellen

Spurensuche mit Heinz Kornemann

Wendland.net

Forum Ritualdynamik der Uni Heidelberg

Wikipedia

National Archives Cataloges

Internetpräsenz der Stadt Gardelegen



Dank an die mir unbekannte Frau, die mir auf ihre eindrückliche Art Bericht erstattete. Ohne sie hätte ich vielleicht nie davon erfahren.















Donnerstag, 11. August 2016

Wolfsburg lässt suchen

geschrieben am 11. August 2016
geschehen   am   5. August 2016



Dannenbüttel



















Ehrgeizig, wie ich sein kann, wollte ich meinen Weg ohne Navi finden und mich an den Ausschilderungen an der Straße orientieren.
Meine veraltete Straßenkarte, mit Schwerpunkt Autobahn, brachte mir zwar die grobe Fahrtrichtung, doch ließ sie die kleinen Orte aus, durch die ich fahren würde. Reicht ja auch hin, wenn Frau lesen kann.

Weyhausen


















Bloß gut, dass ich für den Fall aller Fälle doch mein Navi dabei hatte. Ohne hätte ich das Schloss Wolfsburg sicher erst Stunden später, oder vielleicht gar nicht gefunden. Was schon etwas heißen will, denn bis heute habe ich überall hingefunden. Ohne Navi und auch schon ohne Karte.


Parkplatz neben dem Schloß

















Wozu muss ein sehenswertes Ziel ausgeschildert sein, wenn Ortskundige es fast im Schlaf finden?
So suchte ich eine Weile umher, bis ich mir von Dame Navinia den Weg weisen ließ.

 

Hotel neben dem Schloß





















Endlich am Schloß angelangt brauchte es ein paar Suchkreise und Kurven, bis ich den Friedenswagen abstellen und in den Schloßpark schlendern konnte.

Zwei Tage zuvor hatte ich mit dem Kunstverein Wolfsburg telefoniert, ob ich eine meiner Friedensfahnen bei ihnen anbinden könne. Auf meine Mail mit allen Informationen habe ich bis heute keine Antwort erhalten.

Frieden auch für Fontainen

















So schlenderte ich durch den Schloßpark, band die Friedenszeichen an Laterne und Bäume und war froh schon in Gifhorn zu Mittag gegessen zu haben.


Friedenstaube, Schloßpark, Eingang

















Im Schloßpark, Baum mit Peacezeichen

















Kurz bevor ich im sehr gut sortierten Biomarkt einkaufen ging, warf ich noch einen knappen Blick in den Schloßhof mit Brunnen. 
Auf Nachfragen, bekam ich von netten Menschen die unterschiedlichsten Erklärungen und Hinweise. Der Ort des Kunstvereins bleibt ein Geheimnis.



Schloßhof mit Brunnen














Suchen wollte ich nun nicht mehr. Darum machte ich mich auf den Weg nach Gardelegen. 

Leider war es mit dem Suchen dann doch noch nicht vorbei.

Mehr über Wolfsburg

Auf dem Weg nach und in Gifhorn

geschrieben am 11. August 2016
geschehen   am   5. August 2016

Als Einfrau-Kunst-Friedensaktivistin brauche ich doch so meine Zeit, um alles zu bearbeiten, zu rekonstruieren und zu dokumentieren. Zürück von der Friedensfahrt sortiere ich Fotos und Notizen, um hier im Blog zu berichten.

Ahnsen, Ortseinfahrt bzw. Ortsausfahrt





















Nichts desto trotz, jetzt die Eindrücke auf meinen Weg und Halt in Gifhorn.


An der Kreuzung nach Gilde
















Ich hatte mir vorgenommen alle 5 bis 7 Kilometer einen Stopp einzulegen. Schnell merkte ich, dass sich diese Idee als schwierig erwies. Entweder kamen die Gelegenheiten zum Halten öfter oder seltener. Doch viel wesentlicher machte sich mein knapp berechneter Zeitplan bemerkbar. 
Schon um 12:15Uhr hatte ich einen Pressetermin mit Herrn Ohse, Diplom Chemiker und freier Mitarbeiter, vom Isernhagener Kreisblatt der az-online, auf dem Rathausplatz in Gifhorn.



Ein netter Baum bei Dralles Landgasthof
Dralles Landgasthof kurz vor Gifhorn



Meine Mittagspause hatte ich in Wolfsburg eingeplant. Doch dann aß ich schon in Gifhorn zu Mittag, denn nach dem Gespräch mit Herrn Ohse wartete ich gut 15 Minuten auf einen wirklich frisch zubereiteten, sehr leckeren, gebackenen Schafskäse mit Paprika und Salat. Diese Planänderung stellte sich im Nachhinein als die bessere Variante heraus. Doch davon erzähle ich in Wolfsburg.


Herr Ohse neben dem Peacebanner






















Die Wartezeit nutzte ich zum Anbinden von Friedensbändern und -bannern auf dem Rathausplatz und in der Nikolai Kirche. Mit meiner Miniknipps misslangen die Fotos in der Kirche gründlich. Ohne Blitz war es zu dunkel, mit Blitz das Friedensbanner strahlend weiß ohne Friedenstaube, trotz des wundervollen Orgelspiels, welches mich noch während meiner Mittagmahlzeit begleitete. 
Angesprochen werden wollte in Gifhorn niemand. So jedenfalls mein Eindruck.


Parkplatz an der Cardenap


















Bevor ich gut gesättigt zum Schloss in Wolfsburg aufbrach hinterließ ich noch ein Friedensband am Eingang des Parkplatzes in der Cardenap.

Und auf gar keinen Fall darf der Artikel von Herrn Ohse in der AZ-online fehlen. 
Herzlichen Dank.
Zeichen weisen den Weg 


Mehr über Gifhorn






Mittwoch, 10. August 2016

Ab Uetze am 5.8.2016

10. August 2016


Uetze, an der Kreuzung Marktstraße, B188





















Da ich auch ein vergesslicher Mensch, bin führte mich mein Weg von Bröckel erst einmal nach Uetze im Landkreis Hannover. Von Bröckel in der Samtgemeinde Flotwedel, im Landkreis Celle bis Uetze sind es ca. 6km vorbei an einen Modellflugplatz, an Feldern und Windrädern. 

Als ich das erste Friedensband mit Friedenstaube um den Stamm dieses jungen Baumes band war ich noch sehr aufgeregt.



In Abbeile an der B188

Beim zweiten Band kurz hinter Abbeile hatte ich auch noch Herzklopfen. Es waren zwar nur wenig Fahrzeuge unterwegs, doch am Straßenrand stehen, wenn andere mit 70km/h an mir vorbei sausen ist schon eine besondere Erfahrung.



Perlhühner an der Kreuzung B214, B188

An der Kreuzung B214, B188, ich wartete auf die Grünphase, sangen mir die Perlhühner ein Lied. Leider war es mir unmöglich dieses aufzunehmen. Mir fehlt die Technik und die Motoren der Mitwartenden wären einfach zu laut gewesen.

Auf ging es zum Pressetermin mit Burghard Ohse nach Gifhorn.


Mehr über Uetze



Dienstag, 2. August 2016

Der Weg

unter blauem Himmel

 
Dienstag, 2. August 2016

Am Freitag, den 5. August, starte ich um 11:00Uhr in Bröckel, wünsche mir eine Fahrt unter blauem Himmel und fahre nach
Gifhorn 
- Ankunft gegen 12:15Uhr auf dem Rathausplatz

weitere Stationen sind
Wolfsburg, Schloss
Gardelegen
Stendal
Tangermünde, Übernachtung, Sankt Stephan
Rathenow
Brandenburg Havel
Potsdam
Biesenthal  im Kreis Barnim
- hier werde ich von Anne Schulz im Steinwerk Biesenthal erwartet

Berlin - Brandenburger Tor
- gemeinsam mit Anne Schulz Ankunft ca. 14:30Uhr
- Abreisefest für den Friedenskonvoi Berlin - Moskau und Übergabe der Friedensmedaillen.